Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es ist keine Frage von Ernährung oder Disziplin — sondern eine anerkannte Erkrankung, die sich gut behandeln lässt. Der folgende Überblick erklärt Definition, Ursachen, Symptome, Schmerzen und die Stadien des Lipödems.

Definition: Was ist ein Lipödem?

Was ist Lipödem? Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die vor allem Frauen betrifft und zu einer ungleichmäßigen Verteilung von Fettgewebe führt. Dies kann zu körperlichen Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen führen. Die genaue Ursache des Lipödems ist noch nicht vollständig geklärt, aber hormonelle Einflüsse und genetische Veranlagung spielen eine Rolle. Die Diagnose erfolgt durch eine klinische Untersuchung und einen Kneiftest, um das Vorhandensein von Lipödem-Fettgewebe zu bestätigen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern oder sogar komplett zu beheben. Die konservativen Therapiemöglichkeiten wie Kompressionsstrümpfen und Lymphdrainage lindern die Symptome für den Moment, die chirurgischer Therapie kann diese nachhaltig behandeln.

Es ist wichtig, das Lipödem von anderen Erkrankungen wie dem Lymphödem zu unterscheiden. Während das Lipödem eine Fettverteilungsstörung ist, handelt es sich beim Lymphödem um eine Schwellung aufgrund eines gestörten Lymphflusses. Die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich entsprechend. Um eine genaue Diagnose zu stellen, sollte ein auf Lipödem spezialisierter Facharzt aufgesucht werden. Es ist auch wichtig zu beachten, dass das Lipödem nicht nur körperliche Beschwerden verursacht, sondern auch Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität der Betroffenen haben kann. Daher ist eine ganzheitliche Betreuung wichtig, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Ursachen des Lipödems

Die genauen Ursachen für das Lipödem sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Vererbung: Es wird vermutet, dass das Lipödem auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen ist, da es häufig in Familien über die väterliche Seite generationsübergreifend vererbt wird. Entgegen der allgemeinen Vermutung dominiert die Vererbung des Lipödems also weniger direkt über die mütterliche Seite. Die Vererbung des Lipödems erfolgt autosomal dominant. Dies ist eine Form der Vererbung, bei der im Erbgut die begünstigte Information für Lipödem nur auf einem der beiden sogenannten Autosomen vorliegen muss, damit sich das Merkmal Lipödem im Verlauf als Erkrankung zeigen kann. Es müssen also bestimmte Gene vorhanden sein, die das Lipödem nicht nur begünstigen, sondern im Verlauf auch zu dessen Erscheinung, dem sogenannten Phänotyp führen.
Betroffene fragen sich, ob ihre Töchter Lipödem haben werden
Betroffene fragen sich, ob ihre Töchter Lipödem haben werden
  • Hormonelle Einflüsse: Hormone können eine Rolle bei der Entstehung oder der sogenannten Progredienz, also der Verschlimmerung des Lipödems im Verlauf spielen. Diese Progredienz wird oft auch als sogenannter Schub des Lipödems bezeichnet. Diese schubartigen Veränderungen treten häufig bei Frauen während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause auf, wenn die weiblichen Hormonspiegel im Körper schwankt. Insbesondere der Einfluss von Östrogenen auf das Fettgewebe wird diskutiert. Bei med-plast kommen aber noch ganz andere und neu beobachtete Faktoren hinzu: Stress!. Denn bei Stress wird Cortisol ausgeschüttet, ein Abkömmling des bekannten Cortisons, welches nachweislich vermehrt bei Lipödem-Schüben auftritt.
  • Entzündungsprozesse im Körper: können das Lipödem begünstigen. Es wird vermutet, dass bestimmte Entzündungsmediatoren die Fettzellen stimulieren und zu einer vermehrten Fettansammlung führen können. Insbesondere ist ein Zusammenhang zwischen Schmerzsymptomatik und Lipödem zu erkennen. Die med-plast Gruppe um Dr.Labschies ist weiterhin davon überzeugt, dass ein erhöhter Druck durch die Lipödemfettzellen zu einem gesteigerten Zelluntergang führen, auf diesen der Körper wiederum mit einem vermehrten Entzündungsprozess reagiert.
  • Stoffwechselstörungen: Ein gestörter Stoffwechsel, verminderte Fettverbrennung und gestörter Lymphfluss können zur Ansammlung von Fettgewebe und Volumenzunahme im sogenannten Interstitium dem Zellzwischenraum führen.
  • Lebensstilfaktoren: Lipödem kann durch Adipositas ungünstig beeinflusst werden. Andererseits kann auch eine Adipositas ungünstig durch Lipödem beeinflusst werden. Da fast immer eine Mischformation vorliegt, können bestimmte Faktoren wie Bewegungsmangel oder eine unausgewogene Ernährung dazu beitragen, dass die Grundproblematik des Lipödems maskiert und dadurch nicht richtig erkannt wird.
Lipödem kein Erfolg beim Sport
Lipödem kein Erfolg beim Sport

Es ist wichtig anzumerken, dass das Lipödem nicht durch Übergewicht verursacht wird. Menschen mit Lipödem haben trotz gesunder Lebensweise oft Schwierigkeiten, das zusätzliche Fett in den betroffenen Bereichen abzubauen. Die genauen Ursachen für das Lipödem sind komplex und es bedarf weiterer Forschung, um sie vollständig zu verstehen.

Symptome eines Lipödems

Welche Symptome verursacht ein Lipödem?

Zunächst einmal möchten wir betonen, dass das Lipödem fast ausschließlich bei Frauen auftritt. Es ist wichtig zu beachten, dass die individuellen Symptome variieren können und nicht bei allen Lipödem-Patientinnen auftreten müssen, was die Diagnose für unerfahrene Ärzte erschwert. Viele Frauen empfinden ihre Schmerzen als normal oder haben eine hohe Schmerztoleranz entwickelt, da sie schon lange mit dieser Krankheit leben. Die betroffenen Regionen können je nach Lipödem-Typ variieren, genauso wie die Intensität je nach Stadium der Erkrankung.

Dicke Beine

Dicke Beine, insbesondere dicke Oberschenkel oder dicke Arme, können ein Hinweis auf ein Lipödem sein. Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die hauptsächlich zu einer symmetrischen Vergrößerung der Extremitäten führt. Es ist erwähnenswert, dass bei einigen Frauen die Beine betroffen sind, bei anderen die Arme und manche sowohl dicke Beine als auch dicke Arme haben können. Es ist jedoch möglich, dass auch andere Körperregionen von dieser Erkrankung betroffen sind.
Eine Besonderheit bei der Verteilungsmuster der Extremitäten ist zu beachten: Obwohl die rechte und linke Seite des Körpers in Bezug auf die Fettverteilung symmetrisch sind, besteht häufig ein Ungleichgewicht zwischen dem oberen und unteren Teil des Körpers. Dies führt oft dazu, dass Frauen verschiedene Größen für Ober- und Unterteile kaufen müssen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Lipödem gemeinsam mit Fettleibigkeit (Adipositas) auftritt. Dies kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, wie zum Beispiel eingeschränkte Mobilität oder eine geringe körperliche Aktivität, die zu einer Gewichtszunahme führen kann.

Dicke Beine Lipödem
Dicke Beine Lipödem

Schmerzen bei Lipödem

Lipödem ist eine Erkrankung, die häufig von Schmerzen begleitet wird. Viele Frauen, die unter Lipödem leiden, klagen über Schmerzen in den betroffenen Körperregionen wie den Oberschenkeln, Unterschenkeln, Unter- und Oberarmen sowie dem Bauch, Rücken und der Brust. Diese Schmerzen können in ihrer Intensität variieren und sich im Verlauf des Tages verschlimmern. Oft werden sie als dumpf, ziehend oder drückend beschrieben.

Fettverteilungsstörung bei Lipödem
Fettverteilungsstörung bei Lipödem

Spannungsgefühl in den Beinen

Druck- und Berührungsempfindlichkeit sind häufige Lipödem Symptome und können eine große Belastung darstellen. Das erhöhte Fettvolumen führt zu einem Spannungsgefühl bei den Betroffenen. Dies wird oft als Druckempfindlichkeit beschrieben, aber es können auch stechende Schmerzen auftreten. Es wird vermutet, dass die vermehrten Fettzellen durch ihr Volumen auf Nerven drücken und dadurch diese Schmerzen verursachen. Selbst leichte Berührungen, wie wenn eine Katze oder ein Kleinkind auf dem Schoß sitzt, können Schmerzen verursachen und den Alltag beeinträchtigen.
Schmerzen treten oft verstärkt an den Innenseiten der Knie, den Außenseiten der Oberschenkel und den Oberarmen auf. Es können auch schmerzhafte Knoten in der Tiefe des Unterbauchs auftreten.

Beine fühlen sich schwer an

Schwere Beine oder schwere Arme beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Selbst banale Aufgaben wie längeres Stehen oder Treppensteigen können für Lipödem-Patientinnen eine wirkliche Herausforderung darstellen. Sogar alltägliche Tätigkeiten wie das Föhnen der Haare, das Tragen eines Babys in den Armen oder das Herausnehmen von Tellern aus hohen Schränken werden oft gemieden. Zusätzlich entsteht oft ein ermüdender Druck in den Armen, wenn diese über einen längeren Zeitraum nach oben gehalten werden. Dadurch kann es dazu kommen, dass die Betroffenen sich weniger bewegen und mehr Fett im Körper ansammeln.
Eine weitere mögliche Auswirkung des Lipödems ist die Schwellung der Unterschenkel, die sich im Laufe des Tages verstärken kann, insbesondere bei längerem Stehen und warmem Wetter. Hände und Füße sind normalerweise von dieser Schwellung nicht betroffen.

Bluterguss aus dem nichts

Lipödem-Patientinnen sind häufig anfälliger für blaue Flecken und Hämatome. Selbst bei geringfügigen Verletzungen können sie starke Blutergüsse entwickeln, deren Heilung in vielen Fällen länger dauert als bei Menschen ohne Lipödem.
Die Bildung von blauen Flecken ohne anscheinenden Grund verstärkt die Empfindlichkeit der betroffenen Bereiche und führt zu zusätzlichen Schmerzen. Die häufigen blauen Flecken können nicht nur ästhetisch belastend sein, sondern auch die Beweglichkeit einschränken und das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen.

Blaue Flecken und Lipödem
Blaue Flecken und Lipödem

Unebene Haut

Ein weiteres ästhetisches Merkmal des Lipödems ist die Cellulite und eine ungleichmäßige Hautstruktur, auch "Matratzenhaut" genannt, bei der das Fettgewebe uneben und knotig erscheint. Dies tritt auf, weil das Fettgewebe unter der Haut unproportional verteilt ist, was zu Dellen und Unebenheiten führt, die sich anfühlen, als ob sich etwas unter der Haut befindet. Diese Symptome können nicht nur physische Beschwerden verursachen, sondern auch emotional belastend sein, da viele Frauen mit Lipödem ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigt sehen.
Die Veränderung des Haut-Bindegewebes spielt ebenfalls eine Rolle. Es ist möglich, dass die Beine im Sitzen aufgrund der Hautspannung glatter aussehen als im Stehen.

Zur Lipödem Diagnose und Beratung
Zur Lipödem Diagnose und Beratung

Krampfadern

Das Lipödem und Krampfadern sind zwei verschiedene, aber miteinander verbundene Erkrankungen, die den Blutfluss in den unteren Extremitäten beeinflussen. Krampfadern sind erweiterte und verdrehte Venen, die aufgrund einer Störung der Venenklappen in den Beinen auftreten können und den normalen Blutfluss behindern. Obwohl das Lipödem nicht direkt die Entstehung von Krampfadern verursacht, kann der zusätzliche Druck auf die Venen aufgrund des Lipödems das Risiko für Krampfadern erhöhen.

Kalte Haut

Es kann vorkommen, dass die Haut an den Oberschenkeln noch längere Zeit kalt bleibt, nachdem die Patientin aus der Kälte in eine warme Umgebung kommt. Die genaue Ursache für die kalte Haut beim Lipödem ist noch nicht vollständig verstanden. Es wird jedoch vermutet, dass dies mit der gestörten Durchblutung und der unproportionalen Verteilung des Fettgewebes in den betroffenen Bereichen zusammenhängen kann.

Eingeschränkte Beweglichkeit

Aufgrund von Schwellungen und Schmerzen in den betroffenen Bereichen können Lipödem-Patientinnen erhebliche Einschränkungen in ihrer Beweglichkeit erfahren. Es kann schwierig und schmerzhaft sein, zu gehen, zu stehen oder Gegenstände zu heben. Diese Einschränkungen können zu weiteren Komplikationen wie Muskelverspannungen, Haltungsschäden und Problemen beim Gehen oder Stehen führen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Lipödem-Patientinnen X-Beine entwickeln, bei denen die Knie nach innen geneigt sind.

Schmerzen bei Treppe steigern und Lipödem
Schmerzen bei Treppe steigern und Lipödem

Um die Mobilität zu verbessern und eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern, ist es für Lipödem-Patientinnen wichtig, passende Bewegungsmöglichkeiten zu finden. Dies kann durch schonende Übungen wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga erreicht werden. Es ist empfehlenswert, dabei von einem Fachmann wie einem Physiotherapeuten oder einem Trainer mit Kenntnissen über Lipödem unterstützt zu werden. Regelmäßige Bewegung kann nicht nur die Mobilität verbessern, sondern auch die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern. Es ist jedoch wichtig, dass die Übungen individuell an die Bedürfnisse und Grenzen der Betroffenen angepasst werden. Daher ist es ratsam, vor Beginn eines Trainingsprogramms immer Rücksprache mit einem Arzt oder Therapeuten zu halten.

Muffenbildung

Typisch für das Lipödem ist auch eine sogenannte Muffenbildung an den Extremitäten, die bereits an den Handgelenken oder Knöcheln auftreten kann. Um die Beschwerden zu lindern, kann das Tragen einer Flachstrick-Kompressionshose hilfreich sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass beim Lipödem kein Ödem vorliegt. Wenn man mit dem Finger fest auf das geschwollene Gewebe drückt, sollte keine Delle zurückbleiben. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Lipödem und Lymphödem.

Muffenbildung bei Lipödem
Muffenbildung bei Lipödem

Trotz Diät und Sport keine Gewichtsabnahme

Eine der frustrierendsten Erfahrungen für viele Lipödem-Patientinnen ist die Tatsache, dass trotz Diät und Sport keine Gewichtsabnahme eintritt. Dies kann zu Verzweiflung und Enttäuschung führen, da die Betroffenen große Anstrengungen unternehmen, um ihr Gewicht zu reduzieren, jedoch keine sichtbaren Ergebnisse erzielen. Der Grund dafür liegt in der Natur des Lipödems selbst. Dieses Fettgewebe ist oft sehr hartnäckig und reagiert nur begrenzt auf herkömmliche Maßnahmen zur Gewichtsabnahme. Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben und sich bewusst zu machen, dass abnehmen beim Lipödem oft schwierig ist und nicht immer das Hauptziel der Behandlung sein sollte. Vielmehr geht es darum, die Lebensqualität zu verbessern und die Mobilität und das Wohlbefinden der Betroffenen zu steigern.

Psychische Störungen

Das Lipödem kann auch zu erheblichem psychischem Leiden führen. Das äußere Erscheinungsbild der Erkrankung, mit ungleichmäßigen Fettansammlungen, unebener Haut und Muffenbildung, kann bei den Betroffenen Schamgefühle und ein geringes Selbstwertgefühl hervorrufen. Oftmals fühlen sich Patientinnen unattraktiv und haben Schwierigkeiten, ihren Körper zu akzeptieren.

Die psychischen Auswirkungen des Lipödems können weitreichend sein und sogar zu psychischen Störungen wie Essstörungen oder Depressionen führen. Die Frustration darüber, dass trotz Sport und Diät keine Gewichtsabnahme erfolgt, kann zu einem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper und zu Essstörungen wie Binge-Eating oder emotionalen Essanfällen führen. Die Betroffenen können in einem Teufelskreis aus negativen Gedanken und Verhaltensweisen gefangen sein, der ihre psychische Gesundheit weiter belastet.

Darüber hinaus können Lipödem-Patientinnen auch mit sozialen Herausforderungen konfrontiert sein. Mobbing und Stigmatisierung sind leider keine Seltenheit, und die Betroffenen können sich isoliert und unverstanden fühlen. Solche Erfahrungen können das bereits geringe Selbstwertgefühl weiter verstärken und zu einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens führen.

Die Müdigkeit bei Lipödem

Müdigkeit kann das Resultat verschiedener bereits aufgeführter Lipödem-Symptome sein. Die Belastung des Körpers durch das zusätzliche Gewicht und die erhöhte Belastung der Gelenke kann zu übermäßiger Ermüdung führen, insbesondere beim Gehen und Stehen.

Darüber hinaus kann das Lipödem auch zu Schlafstörungen führen. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, eine bequeme Schlafposition zu finden, aufgrund des erhöhten Gewichts und der Schmerzen in den betroffenen Bereichen. Diese Unannehmlichkeiten können zu unruhigem Schlaf und tagsüber zu Müdigkeit führen.

Die psychische Belastung, die mit dem Lipödem einhergeht, kann ebenfalls zu Müdigkeit beitragen. Viele Frauen mit Lipödem fühlen sich aufgrund des Aussehens ihrer Beine unsicher und können unter geringem Selbstwertgefühl oder Depressionen leiden. Diese emotionalen Belastungen können zu Erschöpfung und Müdigkeit führen.

Hormonelle Veränderungen und Vererbung

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der hormonelle Veränderungen einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel und die Verteilung des Fettgewebes im Körper haben können. Während der Pubertät, Schwangerschaft und Menopause treten bedeutende hormonelle Schwankungen auf, die das Lipödem beeinflussen können. Hormone wie Östrogen und Progesteron werden angenommen, eine Rolle beim Fortschreiten des Lipödems zu spielen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Frauen mit Lipödem während hormoneller Veränderungen eine Verschlimmerung der Symptome erfahren. Die Auswirkungen hormoneller Schwankungen können von Person zu Person unterschiedlich sein. Dennoch sollten Frauen, die bereits an Lipödem leiden, während dieser Phasen besonders auf ihre Symptome achten und gegebenenfalls zusätzliche Behandlungen in Erwägung ziehen.

Zusätzlich beobachten wir, dass das Risiko, an Lipödem zu erkranken, in Familien gehäuft auftritt. Verwandte ersten Grades, wie Mütter, Schwestern oder Töchter, haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an Lipödem zu leiden.

Die Vererbung des Lipödems erfolgt wahrscheinlich multifaktoriell, das heißt, es sind mehrere Gene beteiligt. Es wird angenommen, dass das Lipödem autosomal dominant vererbt wird, was bedeutet, dass nur ein Elternteil das mutierte Gen weitergeben muss, um die Krankheit zu vererben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Lipödem tatsächlich erkranken. Andere Faktoren wie Hormone und Umwelteinflüsse spielen ebenfalls eine Rolle.

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen keine familiäre Vorbelastung vorliegt und das Lipödem sporadisch auftritt. Dies könnte auf neue Genmutationen oder andere nicht-genetische Faktoren zurückzuführen sein.

Warum verursacht ein Lipödem Schmerzen?

Warum verursacht ein Lipödem Schmerzen?

Die genauen Ursachen von Lipödem-Schmerzen werden bis heute intensiv erforscht. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass verschiedene Veränderungen innerhalb des Gewebes zur Entstehung der Beschwerden beitragen könnten.

Dazu gehören unter anderem Veränderungen des Fett- und Bindegewebes, eine erhöhte Belastung des Gewebes, Umbauprozesse innerhalb der Gewebestruktur sowie Immun- und Entzündungsprozesse. Diese Veränderungen könnten dazu führen, dass das Gewebe empfindlicher auf Druck, Berührung und Belastung reagiert.

Vieles spricht dafür, dass Lipödem-Schmerzen durch das Zusammenspiel verschiedener biologischer Prozesse innerhalb des Gewebes entstehen.

Typische Schmerzsymptome beim Lipödem

Zu den häufigsten Beschwerden beim Lipödem gehören:

  • Druckschmerzen im betroffenen Gewebe
  • erhöhte Berührungsempfindlichkeit
  • Spannungsgefühle in Beinen oder Armen
  • schwere Beine oder schwere Arme
  • schnelle Ermüdung bei Belastung
  • Beschwerden, die im Tagesverlauf zunehmen, insbesondere am Abend

Viele Betroffene berichten, dass bereits leichter Druck auf die Haut oder das Gewebe als unangenehm empfunden wird. Selbst alltägliche Berührungen können in manchen Fällen Schmerzen auslösen.

Was könnte zu Lipödem-Schmerzen beitragen?

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Faktoren könnten gemeinsam zur Entstehung der Beschwerden beitragen.

Fettgewebe

Veränderungen und eine Zunahme des Fettgewebes könnten das Gewebe belasten und Beschwerden begünstigen

Bindegewebe

Umbauprozesse und Fibrose können die Eigenschaften des Gewebes verändern und die Spannung erhöhen

Mikrozirkulation

Veränderungen kleiner Gefäße könnten die Versorgung des Gewebes beeinflussen und Reizungen verstärken

Immunsystem

Chronische Immun- und Entzündungsprozesse könnten an der Entstehung von Beschwerden beteiligt sein

Veränderungen im Fett- und Bindegewebe

Ein Lipödem ist mehr als eine reine Vermehrung von Fettgewebe. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich auch die Struktur des Gewebes verändert. Neben einer Zunahme des Fettgewebes werden Veränderungen des Bindegewebes sowie der umgebenden Gewebestrukturen beschrieben.

Diese Veränderungen können die Eigenschaften des Gewebes beeinflussen und gelten als ein möglicher Faktor bei der Entstehung typischer Lipödem-Beschwerden.

Warum Schmerzen ein zentrales Merkmal des Lipödems sind

Schmerzen gelten heute als eines der wichtigsten Kennzeichen des Lipödems. Während viele Menschen die Erkrankung zunächst mit einer Vermehrung des Fettgewebes oder einer Umfangszunahme an Beinen und Armen verbinden, stehen für viele Betroffene vor allem die Beschwerden im Vordergrund.

Druckschmerzen, Berührungsempfindlichkeit und Spannungsgefühle können wichtige Hinweise auf ein Lipödem liefern und helfen dabei, das Krankheitsbild von einer reinen Gewichtszunahme oder gewöhnlichem Unterhautfettgewebe abzugrenzen. Deshalb spielen Schmerzen eine wichtige Rolle bei der Diagnostik und Beurteilung des Lipödems.

Aus diesem Grund betrachten erfahrene Lipödem-Spezialistinnen und Lipödem-Spezialisten nicht nur sichtbare Veränderungen des Gewebes, sondern auch die Beschwerden und deren Auswirkungen auf den Alltag der Patientin.

Patientinnenfrage: warum reagieren meine Beine empfindlich auf Berührung?

Eine mögliche Erklärung sind Veränderungen des Fett- und Bindegewebes sowie chronische Gewebereizungen. Dadurch könnte das Gewebe empfindlicher auf Druck und Berührungen reagieren. Die genauen Mechanismen werden weiterhin erforscht.

Mythos vs. Realität

Rund um Lipödem-Schmerzen gibt es viele Missverständnisse. Einige häufige Aussagen ordnen wir hier kurz ein.

Mythos

Höheres Stadium bedeutet automatisch stärkere Schmerzen.

Realität

Schmerzen und Stadium stehen nicht immer in direktem Zusammenhang.

Mythos

Wer abnimmt, verliert automatisch alle Beschwerden.

Realität

Beschwerden können trotz Sport und Gewichtsabnahme bestehen bleiben.

Mythos

Lipödem-Schmerzen sind eingebildet.

Realität

Schmerzen gehören zu den wichtigsten Merkmalen des Lipödems.

Mythos

Nur ausgeprägte Lipödeme verursachen Schmerzen.

Realität

Auch Patientinnen im frühen Stadium können erhebliche Beschwerden haben.

Die Stadien des Lipödems

Lipödem Stadium 1

Das Stadium 1 des Lipödems ist gekennzeichnet durch

noch glatte Haut

- nur wenig Volumen

- und festes Bindegewebe.

In diesem Stadium sind die Symptome des Lipödems minimal ausgeprägt. Die Haut erscheint glatt und es sind nur leichte Unebenheiten im Fettgewebe erkennbar. Dennoch können sich die Beine schwer anfühlen und Schmerzen auftreten. Eine geringe Entzündung ohne tastbare Resistenzen ist möglich. Im Stadium 1 sind die Auswirkungen des Lipödems noch vergleichsweise gering, aber dennoch können die Beschwerden bereits spürbar sein. Es ist wichtig, frühzeitig eine Diagnose zu stellen und geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten, um eine Verschlimmerung des Lipödems zu verhindern.

Lipödem Stadium II
Lipödem Stadium II
Lipödem Stadium 2

Lipödem Stadium 2

Im Stadium 2 des Lipödems sind die Symptome bereits deutlicher sichtbar

Die Haut zeigt Dellen und Unebenheiten, die durch das Lipödem verursacht werden. 

Es ist mehr Haut betroffen, die über einem erhöhten Fettvolumen liegt. 

Das Bindegewebe wird lockerer und die Beine fühlen sich schwerer an. 

Zusätzlich zu den Beschwerden im Stadium 1 können in Stadium 2 auch Schmerzen und Schwellungen auftreten. 

Eine erhöhte Entzündungsreaktion ist erkennbar, begleitet von tastbaren Knötchen im Gewebe. 

In diesem Stadium sind die Auswirkungen des Lipödems bereits deutlicher ausgeprägt und es ist wichtig, eine angemessene Therapie einzuleiten, um weitere Verschlechterungen zu verhindern.

Lipödem Stadium III
Lipödem Stadium III
Lipödem Stadium 3

Lipödem Stadium 3

Im Stadium 3 des Lipödems ist die Symptomatik am schwersten ausgeprägt. 

Es ist sehr viel Haut über einem großen Bindegewebsvolumen vorhanden, wobei das Fettvolumen im Vergleich zum Stadium 2 oft nicht signifikant zunimmt.

Es kommt zu starken Entzündungsreaktionen mit sehr schmerzhafter Knotenbildung im Gewebe. 

Die Haut ist stark verändert und zeigt tiefe Dellen

Das Fettgewebe kann sich verhärten. 

Die Beine sind stark geschwollen und verursachen starke Schmerzen.

Bewegungseinschränkungen sind häufig und die Lebensqualität der Patienten wird stark beeinträchtigt. In diesem Stadium ist eine adäquate Behandlung, wie beispielsweise eine operative Therapie oder eine Kombination aus konservativen und operativen Maßnahmen, von großer Bedeutung, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Lipödem Stadium 4

Das Stadium 4 des Lipödems wird in der medizinischen Fachliteratur als umstritten und nur theoretisch relevant angesehen. In diesem hypothetischen Stadium wird angenommen, dass es zu einem zusätzlichen Lymphstau in den Händen und Füßen aufgrund des Lipödems kommen kann.

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